Öffentlichkeitsarbeit

Lagebericht aus dem Stall

Wir leben hier mitten im Kreis Gütersloh, in Rheda-Wiedenbrück, der Tönnies Stadt. Der Trubel und die Diskussionen um diesen Corona Skandal reißen nicht ab. Die Menschen hier sind gespalten, es gibt viele gemäßigte Mitmenschen, die sehr wohl sehen, dass es nicht sein kann, dass ein Unternehmer persönlich für den Corona Ausbruch verantwortlich ist. Aber es gibt auch eine Menge Hass gegen ihn, die Firma Tönnies und leider auch gegen seine Mitarbeiter. Ich hätte mir im Leben nicht vorstellen können, wie schnell Menschen aus Nachbarkreisen uns Gütersloher wegen diesem Corona Ausbruch stigmatisieren. Das alles macht mich sehr betroffen.

Artikel in der NW vom 10.07.2020

Da es ungewiss war, wann der Schlachthof seinen Betrieb wieder aufnehmen darf, haben wir uns entschlossen unsere Ställe für die Presse, Fernsehen und Radio zu öffnen um auf die Probleme der Landwirte, die durch die Schließung entstehen hinzuweisen. Wir sind mit unserem Betrieb Vertragspartner von Tönnies und konnten unsere Schweine zu anderen Standorten liefern. Aber das galt nicht für alle Kollegen, die Schweine mästen. Noch dramatischer war die Situation bei den Schweinezüchtern, dort werden täglich neue Ferkel geboren, für die freiwerdende Ställe fehlten. Es drohte uns ein drastisches Tierschutzproblem. Wir können die Schweineproduktion nicht abschalten, wie eine Maschine.

Es ist für die Gesellschaft sehr praktisch, bequem und billig jetzt die Schuld einfach nur auf Clemens Tönnies oder uns Landwirte zu schieben. An diesem System sind wir alle beteiligt, wir als Schweinemäster, aber auch wir als Verbraucher. Wisst Ihr, was ein Landwirt für ein verkauftes Schwein bekommt? Aktuell ist der Schweinepreis stark eingebrochen und es sind etwa 150 € für ein 100 kg schweres Tier. Nach Abzug der Kosten für Stall und Futter bleiben uns als Landwirt nur noch wenige Euro für den Erhalt unseres Hofes. Wir sind ein bäuerlicher Familienbetrieb im Nebenerwerb, keine Agrarindustrie.

Es ist doch so, dass wir alle, wir als Landwirte, aber auch wir als Verbraucher von diesem System in der Lebensmittelproduktion, nicht nur beim Fleisch auch bei Milch und Gemüse, profitieren. Wir alle haben es in der Hand, Dinge zu ändern. Aus meiner Sicht geht das nur gemeinsam, im Dialog miteinander und unter Berücksichtigung der Fachlichkeit.

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